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5 Sinne – Genusstraining als Weg zu sich selbst

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Wenn unsere Sinne zurückkehren

Genusstraining oder Gestalttherapie waren auf meiner Therapieliste in der REHA, aber ich wusste erst mal nichts anzufangen damit. Ich konnte sehen, schmecken und riechen, hören und fühlen. Ich reagierte doch bewusst und aufnahmefähig auf Impulse und Aktionen aus meiner Umgebung. Alles war ok – dachte ich. In Wirklichkeit war ich zwar fokussiert, aber durch den stressbedingten „Tunnelblick“. Ich nutzte meine Sinne zwar, aber eher mechanisch zur Schadensbegrenzung und als Orientierungshilfe, aber nicht als lebendigen Kontakt zu meiner Umwelt. Ich war alles andere als lebendig.

Das Genusstraining , auch Euthymes Verfahren genannt, kommt aus der Verhaltenstherapie und geht im Wesentlichen auf Arbeiten aus dem Jahre 1972 von Ron Ramsay von der Universität Amsterdam zurück. Damals ging es um ein Essprogramm für übergewichtige Menschen. 1983 dann entwickelten Lutz und Koppenhöfer daraus die „Kleine Schule des Genießens“. Seither ist das Genusstraining ein nicht mehr wegzudenkender Schwerpunkt der Verhaltenstherapie. Es wird bei Depressionen eingesetzt, ebenso bei Zwangserkrankungen, Essstörungen, Psychosomatischen Erkrankungen, Schmerzstörungen, Erschöpfungssyndrom (Burnout).

Mehr zum Genusstraining findet man im Internet und in zahlreichen Medien. Allein die Videos und Informationen dazu machen schon Lust auf mehr.

In Phasen von Überlastung und Überforderung, wenn depressive Verstimmungen und Traurigkeit uns beherrschen, dann nehmen unsere Sinne nicht mehr so intensiv wahr. Wenn wir unter Druck stehen, Stress uns antreibt, dann schlingen wir unser Essen hinein, trinken schnell einen Kaffee, und merken nicht mehr, ob es uns schmeckt und ob es überhaupt nach etwas schmeckt. Aber in diesen Momenten bemerken wir das gar nicht. Fastfood, langsam zelebriert und in Ruhe zu sich nehmen, würde gar nicht funktionieren. Wir würden sehr schnell hinter Senf, Ketchup und Majo den Geschmack nach Pappe, alten Brötchen und schlappen Tomaten entdecken. Schlingen wir den Bissen schnell genug hinunter beherrschen die Geschmacksverstärker noch unsere Mundhöhle, wenn der Bissen seinen Weg findet. Und schon kommt der nächste Bissen.

Im Genusstraining den eigenen Weg zu sich finden

Unsere Sinne sind oft genug wissenschaftlich untersucht worden und es gibt eine Hierarchie der Sinne. Unser Sehsinn ist der wichtigste und wir tun uns viel leichter Gesehenes zu beschreiben und in Worte zu fassen als beispielsweise einen Geruch oder Geschmack. Trotzdem hat man in Studien festgestellt, dass in unterschiedlichen Kulturen die Sinne eine andere Hierarchie haben. Jeder Sinneskanal kann in jeweils anderen Kulturen manchmal sehr gut beschrieben werden, manchmal eher schlechter. Selbst der „stumme Sinn“, der Geruchssinn, der in fast allen Kulturen am wenigsten gut beschrieben werden kann, findet bei einem Naturvolk in Australien eher „Nasenmenschen“ als „Augenmenschen“. Die mit der Natur sehr verbunden lebenden Mitglieder dieses Volkes können Geruchsendrücke seit besser beschreiben als andere Sinneseindrücke.
Mehr dazu findet man auch bei wissenschaft.de dazu.

Jeder hat seinen eigenen heimlichen „Sinnesfavoriten“, seinen eigenen Schlüssel.

Obwohl der Geruchssinn in unseren Breitengraden nicht unser Favorit ist, wenn es darum geht Sinneseindrücke zu beschreiben, so hat er eine besondere Wirkung auf unser Gedächtnis. Da nimmt man plötzlich einen Duft wahr, der unseren Sinn ganz für sich einnimmt, und sofort werden Erinnerungen wach und kommen Gefühle hoch. Bei vielen löst der Duft nach gebrannten Mandeln, Glühwein oder frischem Grasgeruch nach einem Sommerregen solche Flashbacks aus. Oft haben diese wiedergefundenen Erinnerungen mit Erlebnissen aus der Kindheit zu tun. Denn das war noch die Zeit, in der wir diesen Wahrnehmungen und Sinneseindrücken viel mehr Beachtung geschenkt haben. Damals speicherten wir die Bilder und Gefühle zu diesem Geruch ab.

Wir sind alle ganz verschieden, was diese auslösenden Sinneswahrnehmungen anbelangt. Ein Mensch sieht ein Bild, Farben oder Formen und fühlt sich erinnert. Ein anderer taucht immer wieder bei bestimmten Gerüchen in diese deutlich mehr gefühlsorientierte Welt ein. Der nächste berührt ein Stück Stoff, hört einen bestimmten Ton oder schmeckt ein besonderes Gewürz heraus.

Den eigenen „Schlüsselsinn“ finden

Akustische und visuelle Wahrnehmungen waren immer meine Schlüsselsinne. Konzerte, Musik, Filme, Landschaften. Dachte ich. Was mich aber letztendlich auf meinen neuen Weg brachte war ein ganz anderer Sinn. „Ich sehe Sie in Ton arbeiten.“, sagte damals die Therapeutin in der REHA-Klinik. Ich weiß noch, wie verdutzt ich schaute und was ich in dem Moment dachte, als sie mir 1kg Ton vor mir auf den Tisch stellte. „Das machen meine Kinder, nicht ich.“ Aber sie meinte nur, wenn man es nicht probiert, wird man es nicht erfahren. Also fing ich an mit meinem Stück Ton herumzuspielen. Ich formte mal dies mal das. Mein Kopf erdachte sich vor allem geometrische Figuren, das kannte ich. In der dritten Stunde dann knetete ich wieder gelangweilt auf meinem Tonklumpen herum. Meine Gedanken ließ ich los, meine Hände überließ ich ihnen selbst. Ich wollte eigentlich nur das Ende der Stunde abwarten, aber dann geschah etwas und meine Hände begannen eine Figur zu formen. Ich sah das Ergebnis nur von Vorn, aber was ich nicht bemerkte war der Rücken der Figur. Dort konnte man den Abdruck der Wirbelsäule sehen. Dieses fast naturgetreue Abbild haben meine Hände nachgezeichnet, nicht meine Gedanken. Von diesem Tag an sind meine Hände erwacht. Ich fühle sie fortan nicht mehr als Werkzeuge, sondern als Quelle neuer Erfahrungen und Wahrnehmungen. Es begann eine Veränderung, die sich in viele Bereiche erstreckte. Für mich ist heute noch berühren, anfassen, massieren und fühlen mit den Händen immer die Möglichkeit zu mir zu kommen, ein Wohlgefühl in mir auszulösen.

Mein Genusstraining geht deshalb nicht allgemein auf die bewusstere Wahrnehmung von Sinneseindrücken, sondern geht auf diesem Weg ganz gezielt auf die Suche nach dem jeweils eigenen Schlüsselsinn. Den eigenen Schlüsselsinn finden und damit eine Begegnung mit sich selbst auslösen. Auf dem Weg, den mein Behandlungsansatz verfolgt, gehört das Genusstraining zu einer weiteren Möglichkeit, Zugang zu sich zu finden. Mehr zu dem Weg „Hinhören-Begleiten-Verändern“ auf meiner Website.

Auf die Sinnesreise gehen – mit allen Sinnen von allen Sinnen sein.

Meine Erfahrung : Mit meinem Schlüsselsinn in der Hand, kann ich jederzeit die Tür zu mir selbst öffnen und meine Wahrnehmung auf das Hier und Jetzt lenken. Ruhe tritt ein und ich lande sanft in mir. „Wenn man es nicht probiert, wird an es nie erfahren.“ Lust etwas auszuprobieren – rechts ist die Möglichkeit einen Wunschtermin einzutragen.

 

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